Sabine Herrmann

Altarverhüllung in St. Johannes Nepomuk, Chemnitz
17. Februar – 4. April 2026

Zeuginnen ohne Text

Zum Auftakt der Reihe der Altarverhüllungen im Kontext der Kulturhauptstadt entstand 2023 im Dialog zwischen der Berliner Künstlerin Sabine Herrmann und Mitgliedern der Chemnitzer Propsteigemeinde das Kunstwerk Zeuginnen ohne Text. Während der Fastenzeit 2023 wurde es erstmals in der Apsis der Propsteikirche St. Johannes Nepomuk installiert – an jenem Ort, der sonst von einer Skulptur des Auferstandenen geprägt ist. 2025 wurde das Fastentuch erneut präsentiert und begleitet nun auch die bevorstehende Fastenzeit.

Als Altarverhüllung thematisiert das Werk das Sehen, Verbergen und erneute Entdecken dessen, was dem Blick vertraut ist. Der Titel verweist auf die in den biblischen Passionstexten bezeugte Präsenz von Frauen am Kreuzweg Jesu. Wortfragmente dieser Überlieferungen sind mit Bleistift in die Bildfläche eingeschrieben. Auffällig bleibt: In den Leidensberichten wird über die Frauen erzählt – doch sie erhalten keine eigene wörtliche Rede, keinen überlieferten Text. Sie bleiben ungesehen und ungehört.

Eine Vernissage mit Festansprache von Diana Kopka (Kunstsammlungen Chemnitz) fand am Dienstag, 17. Februar 2026, um 18 Uhr statt.

Die Besichtigung des großformatigen Werks – gefertigt mit Pigmenten, Acryl, Bleistift und Kreide auf Papier – ist bis 4. April 2026 jeweils von Dienstag bis Freitag, 14–18 Uhr, sowie im Gottesdienst und nach telefonischer Absprache möglich.

Sabine Herrmann, geboren 1961 in Meißen, studierte Malerei von 1981 bis 1986 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee sowie 1991 an der École Nationale Supérieure d’Arts de la Villa Arson in Nizza.

Ihre Werke wurden in zahlreichen institutionellen Einzelausstellungen gezeigt, unter anderem in der Galeria Test Warszawa, im KW Institute for Contemporary Art Berlin, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus und im Zentrum für aktuelle Kunst Berlin. Darüber hinaus war sie an thematischen Ausstellungen beteiligt, etwa im La Villette Paris, im Bundeskanzleramt Berlin, im Museum Barberini Potsdam, im Museum der bildenden Künste Leipzig sowie derzeit im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart Berlin.

Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Die Künstlerin Sabine Herrmann überlässt das Kunstwerk dauerhaft der Gemeinde zur Nutzung.